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Wie bekomme ich einen Job als Übersetzer?


Mehr als einen PC mit Office-Software und ein paar Wörterbücher braucht man nicht als Übersetzer – denkt zumindest mancher, der etwas Fremdsprachen kann. Tatsächlich ist Übersetzer in Deutschland keine geschützte Berufsbezeichnung. Entsprechend groß ist die Konkurrenz, derer man sich in diesem Beruf zu erwehren hat.

Dies soll keine Gesamtdarstellung eines Berufsfeldes werden, nur eine kleine Linkseite. Auch empfehle ich die Navigationsspalte links zur gelegentlichen Beachtung :-)

  • Wer sich zum literarischen Übersetzer berufen fühlt, sollte vor allem eines wissen: Es ist extrem schwer, davon auskömmlich zu leben. Ich kenne Vertreter dieser Zunft mit ganz überragenden Fähigkeiten, die sich kaum eine Krankenversicherung leisten können. Es wird sich also kaum vermeiden lassen, sich auch einen Brotberuf zuzulegen. Weitere Informationen gibt es z.B. beim VDÜ.
  • Die meisten Ausbildungsgänge zum Übersetzer kommen von der geisteswissenschaftlichen Seite her. Das mag erst einmal folgerichtig erscheinen, Sprachen sind schließlich eine geisteswissenschaftliche Disziplin. Allerdings kann man sehr vieles nur dann sinnvoll übersetzen, wenn man es auch verstehen kann. Wenn es in den High-Tech-Bereich hinein geht, bekommen deshalb Quereinsteiger ihre Chancen: Ein spanischer Maschinenbauingenieur, der diverse Jahre in Deutschland gearbeitet hat, wird auf seinem Spezialgebiet sicher bessere spanische Texte abliefern als ein Übersetzer, der keinen vernünftigen Zugang zur entsprechenden Spezialsprache findet. Berufsverhände wie der BDÜ haben hier ein Problem: Oft beschränken sie ihre Mitgliederschaft auf die Absolventen von sprachlichen Studiengängen. Das sollte man wissen, wenn man in den Mitgliederverzeichnissen nach Dienstleistern sucht.
  • Eine eigene Sparte sind die Dolmetscher. Sie arbeiten als persönlich Mittler zwischen Gesprächspartnern, die sich sonst nicht unterhalten könnten. Viele Dolmetscher arbeiten auch als Übersetzer, sollten aber eine spezielle Dolmetscherausbildung haben.

Weitere Berufsverbände sind in meinem Portal verzeichnet.

Stellenangebote für Übersetzer

Wer einen Angestelltenjob sucht, kann natürlich die Wochenendausgaben von Tageszeitungen durchforsten. Auch im Internet wird viel angeboten. Eine Auswahl gibt es auch in dieser Website unter Jobbörsen.

Die Konkurrenz ist aber sehr groß und entsprechend mies sind die finanziellen Angebote sehr vieler Arbeitgeber. Ganz oben im Ansehen, und wohl auch bei der Bezahlung, steht der Sprachendienst der Europäischen Union in Brüssel. Hier gibt es jährlich ein Auswahlverfahren.

Jobangebote für selbständige Übersetzer

Am einfachsten sind wohl Aufträge von Übersetzungsbüros zu bekommen. Viele Kollegen haben so angefangen. Allerdings kassieren diese Zwischenhändler kräftig mit. Das mag man für eine gewisse Zeit zähneknirschend als notwendiges Lehrgeld hinnehmen, auf Dauer kommt man so aber auf keinen grünen Zweig. Da hilft wirklich nur eines: Einen eigenen Kundenstamm aufbauen.

Ein Zwischenweg mögen Jobbörsen im Internet sein. Allerdings muss man sich dabei bewusst sein, dass man sich einer internationalen Konkurrenz stellt. Standardübersetzungen Deutsch nach Russisch wird man von Deutschland aus kaum verkaufen können, weil die Preiskonkurrenz aus den Zielländern erdrückend ist. Übersetzer in Deutschland sind praktisch dazu verurteilt, entweder räumlich gebundene Angebote zu machen (Arbeiten für Behörden), oder sich eine eigene Marktnische zu erarbeiten. Da kann durchaus ein Hobby mit hineinspielen, wenn z.B. bei einer Musikerin mit intensiver Erfahrung in Bühnenelektronik Anleitungen für professionelle Soundkarten übersetzt.

Spezielle Möglichkeiten bieten meine Mailinglisten: In u-jobs erscheinen jedes Jahr um die 1000 Angebote, während u-forum und u-litfor eifrig genutzte Diskussionsmedien sind. Den spezielle Reiz dieser Mailinglisten macht die Kombination aus: Wer in u-forum oder u-litfor sinnvolle Diskussionsbeiträge geliefert hat, wird in u-jobs die ganz normale Skepsis leichter überwinden können.

So hat sich u-jobs zu einem Medium entwickelt, in dem sich vorzugsweise Übersetzer gegenseitig die Jobs zuschieben: Beim einen kommen plötzlich alle Stammkunden gleichzeitig, so daß er Unterstützung braucht. Oder ein Stammkunde braucht ausnahmsweise mal eine Sprachkombination, die der Kollege selber nicht bieten kann. Es gibt Kollegen, die arbeiten ausschließlich mit Partnern zusammen, die sie über u-jobs gefunden haben.

   

Immer wieder wenden sich Menschen an mich, die Übersetzer werden wollen oder sonst irgendwie von ihren Sprachkenntnissen leben wollen. Kürzlich schrieb ich jemandem darauf hin die folgende Mail:


Sehr geehrte Frau XXXXXXXXX,


Aus einem geisteswissenschaftlichen Studium und der Kenntnis mehrerer Sprachen kann man sicher einiges machen – Übersetzen ist nur eine der Möglichkeiten. Estnisch als "kleine" Sprache ist für Sie womöglich die interessanteste, denn da erwarten die Kunden wohl die geringste Spezialisierung. Mit Russisch haben Sie naturlich ein Problem: Internetzugänge gibt es auch in Russland und die Lebenshaltungskosten dort sind niedriger – die Verhältnisse kennen Sie sicher besser als ich.

In Deutschland darf sich jeder als "Übersetzer" bezeichnen. Entsprechend viele haben das getan, dazu kommt die angedeutete internationale Konkurrenz. Wenn Sie in diesem Markt leidlich vernünftig überleben wollen, müssen sie irgendwie aus dem Massenmarkt raus.

Vermutlich werden Sie große Probleme haben, einen Angestelltenjob zu bekommen – so geht das schon den Absolventen der hiesigen Hochschulen. Ehe Sie sich aber selbständig machen, sollten Sie unbedingt ein Existenzgründer-Seminar machen. Das einschlägige Seminar des ADÜ nord ist gerade vorbei. Aber sehen Sie sich mal bei der nächsten IHK oder Volkshochschule um. Die meisten der dort diskutierten Themen sind weitgehend unabhängig von der Fachrichtung – Finanzamt, Geschäftsmodell, Kalkulation usw.

Nehmen Sie doch als erstes mal ein großes Blatt Papier. Machen Sie in der Mitte einen Strich von oben nach unten. Schreiben Sie links ein "-" darüber und rechts ein "+". Dann suchen sie sich einen Menschen, der Ihr Vertrauen hat und der sie sehr gut kennt. Und dann suchen Sie gemeinsam nach Fähigkeiten, Stärken, Schwächen, Abneigungen, Erfahrungen usw. und sortieren Sie sie in die beiden Spalten ein. Sparen Sie nichts aus – von Erfahrungen aus Stresszeiten über Ihre zwischenmenschlichen Stärken und Schwächen bis zu Ihren Hobbys. Egal was, egal wie abseitig von Geldverdienen.

Nach dieser Bestandsaufnahme sortieren Sie die einzelnen Punke in Gruppen, damit bestimmte Dinge deutlicher werden. Jetzt kommt die kreative Phase: Welche Art von Aufgaben könnte Ihnen liegen und wo werden Sie vermutlich scheitern, weil Sie die nötige Selbstdisziplin nicht aufbringen?

Wenn beispielsweise herauskommt, dass Sie sich leicht ablenken lassen, Selbstdisziplin nicht Ihre Stärke ist und Sie den intensiven Kontakt mit anderen Menschen brauchen, dann ist das typische Einzelkämpferdasein des selbständigen Übersetzers sicher nichts für Sie.


Auch sollen sie versuchen, zwischen Ihrer Arbeit und dem Endergebnis einen Multiplikator zwischenzuschalten. Das sollte ich erläutern:

  • Wenn Sie direkt mit einzelnen Menschen arbeiten, womöglich noch wenig finanzkräftigen Privatmenschen, werden sie finanziell auf keinen grünen Zweig kommen: 20 EUR sind für diese Menschen häufig viel Geld und häufig werden Sie nur wenige dieser Menschen pro Tag beglücken können.
  • Leute, die Computern die wildesten Dinge beibringen, müssen vor allem gut sein. Ihre Preise sind weniger kritisch, denn ein gutes Programm erhöht die Produktivität vieler Menschen. Ein schlechtes Programm, das ein wenig erfahrener Programmierer für wenig Geld erstellt hat, kostet letztlich viel mehr.

Es liegt sehr viel Geld auf der Straße. Man braucht aber einige Fantasie und viel Arbeitswillen, um es zu finden. Wenn Sie erst mal Ihr ganz persönliches Geschäftsmodell gefunden haben, dann kann das eine sehr komfortable Marktnische sein. Da gibt es beispielsweise Seminaranbieter, deren Seminare bekannt gut sind und die die Teilnehmer produktiver machen – egal in welcher Hinsicht. Manche dieser Seminare sind ziemlich teuer, so dass dem Anbieter pro Seminartag mehrere 1000 EUR übrig bleiben. Zwei Seminare in der Woche, und die Finanzen stimmen...

Konkreter kann ich es leider nicht fassen. Halten Sie Augen und Ohren offen. Suchen Sie nach Leuten und Firmen, die irgendwelche Dienste nachfragen und nicht bekommen. Vielleicht ist etwas dabei, das Sie gut und einfach anbieten können, aber nur wenige andere.


Mit freundlichen Grüßen
...

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Alexander von Obert * http://www.techwriter.de/thema/uebersetzerjobs.htm
Letzte Änderung: 08.10.08 ('Brief' hinzugefügt)


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