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Mit LTE ins Internet


Seit kurzem gibt es in Deutschland einen neuen Weg, ins Internet zu gelangen: LTE, auch als 4G bezeichnet. Was steckt dahinter? Welche Vorteile bietet es?

Was ist LTE?

LTE ist eine neue Funktechnik, die für breitbandige Datendienste optimiert wurde. LTE eignet sich sehr gut dafür, breitbandige Internetzugänge auf dem flachen Land zu verwirklichen – also da, wo das Internet nicht per Telefonleitung hin kommt.

Der LTE-Standard alleine tut es allerdings nicht: LTE darf in Deutschland relativ niedrige Frequenzen im Bereich 800 MHz benutzen. Diese Frequenzen erlauben aus verschiedenen Gründen größere Reichweiten als z.B. die 2100 MHz, die bei uns für UMTS benutzt werden. Zudem zwang die Politik die Mobilfunkfirmen, mit dem LTE-Ausbau genau da zu beginnen, wo es kein ADSL gibt. Techniker versuchen eher, die besonders knappen niedrigen Frequenzen mit möglichst vielen, relativ schmalbandigen Diensten zu belegen.

Ist LTE ein Ersatz für UMTS?

Auf absehbare Zeit ist LTE vor allem für die Internet-Versorgung vorgesehen. LTE erzwingt bislang Kompromisse beim Telefonieren [4]: LTE arbeitet paketorientiert wie das Internet. Ohne die passenden, noch nicht verfügbaren, Priorisierungsmethoden (Quality of Service, QoS) für Sprachdaten funktioniert ein Anruf bei LTE bislang so:

  • Kommt ein Anruf an, erzwingt die Netzsteuerung einen Wechsel ins UMTS- oder GSM-Netz. Das dauert durchaus mehrere Sekunden. Die Signalisierung der Telefonnummer des Anrufers wäre zwar möglich, wird aber wohl nur bei wenigen Handys überhaupt verwirklicht. In der Regel schaltet das Handy erst nach UMTS/GSM um und klingelt erst dann, wenn dort die Verbindung steht.
  • Selbst wenn man den Anruf abweist, hängt man erst mal im UMTS/GSM-Netz. Die Datenverbindungen bleiben zwar bestehen, weil die IP-Adresse beim Netzwechsel erhalten bleibt. Aber die Übertragungsrate geht hat in die Knie.

Wer bietet LTE an?

Als die Bundesnetzagentur den 800-MHz-Bereich versteigerte, hielt sich E-Plus zurück. Dadurch können nur die anderen drei Anbieter, T-Mobile, Vodafone und O2, LTE anbieten. Als Wiederverkäufer gibt es noch 1&1, die aber nur stationäre Verträge anbieten.

Der erste Weg sollte zu http://www.ltemobile.de/lte-verfuegbarkeit/ führen. Dort kann man seinen Standort eingeben und bekommt dann die LTE-Stationen in der Umgebung angezeigt. Entscheidend wichtig dabei: Im angezeigten Profil dürfen keine Berge in den Übertragungsweg ragen! Der 800-MHz-Bereich ist nicht so kritisch wie der 10.000-MHz-Bereich für das Satellitenfernsehen, ein einzelner Baum ist also durchaus noch durchsichtig. Aber durch einen Hügel hindurch geht sicher nichts.

Vodafone hat angekündigt, bis 2015 ein flächendeckendes LTE-Netz aufzubauen. [5]

Einen Vorteil gegenüber ADSL haben bislang alle LTE-Tarife: Die Upload-Bandbreite ist größer als selbst bei ADSL2+. Nach [5] bieten alle LTE-Tarife und -Netze bislang 1,8 Mbit/s Upload-Bandbreite.

Gibt es Smartfone-Tarife für LTE?

Es gibt zwei Klassen von LTE-Tarifen: Ortsfeste und bundesweit nutzbare. Die ortsfesten sind vergleichsweise preiswert. Die zur Verfügung gestellte Technik ähnelt auf den ersten Blick sehr den ADSL-Modems wie der Fritz!Box. Es hindert einen zwar nichts daran, die SIM-Karte auch in ein Smartphone zu stecken. Die SIM-Karte wird aber nur in den lokalen LTE-Funkzellen funktionieren.

Die bundesweit nutzbaren Verträge bieten im Prinzip einen schnelleren Internetzugang als ADSL, sind aber recht teuer [6]. Wo der Anbieter LTE-Abdeckung bietet, kann man es mit einem LTE-tauglichen Smartphone auch nutzen. In anderen Gebieten fällt das Smartphone dann auf UMTS bzw. GSM zurück.

Eine UMTS-Flatrate (5 GB/Monat bis zur Drosselung) gibt es schon für 20 EUR. Eine LTE-Flatrate (OK, 20-30 GB/Monat bis zur Drosselung) kostet das Dreifache. LTE lohnt in erster Linie, wenn die 5 GB/Monat zu wenig sind oder man sich häufig in Bereichen ohne UMTS-Abdeckung, aber mit LTE-Abdeckung aufhält – was auf dem flachen Land öfter der Fall sein dürfte. Wer solch hohes Datenaufkommen hat wird auch begrüßen, dass LTE in aller Regel kürzere Ping-Zeiten bieten kann als UMTS. Typische Werte für gut angebundene Server liegen um die 30 ms. [2]

Im April 2012 kam Vodafone als erster mit gemischten Sprach- und Datentarifen auf den Markt. Wer einen LTE-Tarif mit 500 MB/Monat Datenvolumen bucht, muss aber schon ganz spezielle Bedürfnisse haben. In aller Regel ist da wohl eine normale UMTS-Flatrate sinnvoller. Ganz nebenbei macht LTE das Tarifdurcheinander noch komplizierter: Gilt der Datentarif auch für UMTS? Welche Konditionen bietet er für Sprache, SMS usw.? Eine weitere Methode, Premium-Termine verkaufen zu können, ist das Drosseln der billigeren LTE-Tarife.

Welche Smartfones eignen sich für LTE?

Das ist eine reichlich komplizierte Frage, vor allem wegen der vielen für LTE definierten Frequenzbereiche. Jedes Land schiebt LTE da ins Spektrum, wo es irgendwie reingequetscht werden kann. Zum übertragungstechnisch günstigen 800-MHz-Bereich kam es bei uns aus politischen Gründen: Nach dem Abschalten des analogen terrestrischen Fernsehens wurde das obere Ende des UHF-Bereichs frei und das wurde als Chance zur flächendeckenden Internet-Versorgung begriffen. Einige neue Apple-Geräte beherrschen zwar auch die Übertragung per LTE, aber nicht den 800-MHz-Bereich.

Zu den ersten bei uns mit LTE nutzbaren Smartfones gehörten das HTC Velocity 4G [3] und das Samsung Galaxy SII LTE.

Was zeichnet LTE-Modems aus?

Die meisten LTE-Modems unterscheiden sich nicht sehr von den bekannten ADSL-Modems wie den bekannten Fritz!boxen. Statt eines Telefonanschlusses benutzen sie natürlich eine Antenne - meist kaum von einer WLAN-Antenne zu unterscheiden. In kritischen Empfangssituationen, oder wenn man die Hochfrequenz aussperren will, kann auch eine Außenantenne sinnvoll sein. Im Prinzip könnte das eine alte UHF-Fernsehantenne sein - der Frequenzbereich ist der gleiche.

Es gibt aber auch LTE-Modems, die LTE als Backup-Leitung benutzen, falls der ADSL-Zugang ausfällt. Zudem funktioniert ein LTE-Modem nicht zwingend auch im GSM- oder UMTS-Netz.

Literatur

[1] Seelmann, Michael: der aLTErnative Internet-Zugang. LTE im Aufwind.
in: PC Magazin 6/12, S. 90ff
[2] Zivadinovic, Dusan: Im Aufwind. LTE-Mobilfunk: Mehr Multi-Gand-Geräte
in: c't 10/12, S. 43
[3] Labs, Lutz; Spier, Andreas:: Flotter Vierer. Das erste LTE-Smartphone in Deutschland von HTC und Vodafone
in: c't 10/12, S. 60f
[4] Plettenberg, Frank: Sprechstunde. Wie der Telefoniedienst in ersten LZE-Geräten funktioniert
in: c't 25/12, S. 188ff
[5] Zivaddinovic, Dusan: Megabit-Fänger. Router mit eingebauten LTE-Modem
in: c't 26/12, S. 154ff
[6] Mansmann, Urs: Smart gebunden. Mobilfunkverträge für Smartphone-Nutzer
in: c't 12/13, S. 131ff
TOP
Alexander von Obert * http://www.techwriter.de/thema/mit_lte_ins_internet.htm
Letzte Änderung: 19.05.13 (aktualisiert)


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