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Preis einer Übersetzung


Ein immer wieder diskutiertes Thema ist das Abrechnen von Übersetzungen. Das Thema ist wichtig genug, daß sich hier Konventionen entwickelt haben – allerdings getrennt nach Ländern und Fachgebieten.

  • In Sprachen mit gewöhnlich recht kurzen Wörtern ist meist das Abrechnen nach Wörtern üblich. Englisch gehört dazu, Deutsch nicht. Begründung: Donaudampfschiffahrtskapitänspatent
  • Im deutschen Sprachraum ist die Abrechnung nach (letztlich ungenormten) Normzeilen üblich. Dabei wird meist nach Zeilen zu 55 Anschlägen abgerechnet. Leerstellen zählen also mit, getrennt wird in der Regel nicht. Man sollte mit dem Kunden klären, was mit nur teilweise gefüllten Zeilen geschieht. Quelle dieser Abrechnungsmethode sind wohl die Gerichte, die nach ZSEG abrechnen.
  • Auch geklärt werden muß, ob der Quelltext oder der Zieltext gezählt wird. Wer etwas Arbeitsnachbereitung betreibt, wird für seine Sprachen und seinen Schreibstil passende Umrechnungsfaktoren ermitteln.
  • Völlig anders werden literarische Übersetzungen abgerechnet. In Deutschland ist das Maß aller Dinge die Normseite mit 30 Zeilen zu 60 Zeichen. Das sind aber aber nicht 1.800 Anschläge, sondern typisch 1.500 Anschläge. Weil: Kaum eine Zeile ist wirklich voll. Übersetzer sollten zusätzlich darauf achten, daß sie weitere Verwertungsrechte (Verfilmung, Multimedia...) nicht einfach abtreten und bei einem größeren Erfolg des Buches (z.B. ab dem 20.000. Exemplar) eine Vergütung pro Exemplar erhalten.
  • Ganz problematisch wird es bei Texten, die sich nicht einfach runter übersetzen lassen – von Werbung bis Powerpoint. Auch wenn in ein Layout hinein übersetzt werden soll, gibt es spezielle Stolperfallen, die viel, viel Zeit kosten können – etwa Bildbeschriftungen, die in der länger laufenden Zielsprache ganz einfach nicht mehr reinpassen oder eine völlig verkorkst gebaute Präsentation. Hier sollte nur im Notfall etwas anderes als Abrechnung nach Arbeitsstunden akzeptiert werden.

Umrechnungsfaktoren

Unterschiedliche Sprachen und Textarten verändern ihre Lauflänge beim Übersetzen völlig unterschiedlich. Englisch liefert gewöhnlich die kürzesten Texte, Deutsch wird z.B. 20% länger und romanische Sprachen noch länger. Das kann im konkreten Fall auch völlig anders sein, wenn der Übersetzer einen völlig verquasten Text erst mal bereinigen muß, ehe er sich überhaupt übersetzen läßt. Hier hilft nur die genaue Kontrolle des Ausgangsmaterials!

1997 veröffentlichte Richard Schneider einmal seine Statistik:

 

   Zeichen  Wörter Zeilen
Summe Ausgangstext EN 459.947 69.329 8.378
Summe Zieltext DE 580.091 78.109 10.560

AMTrad bietet in seiner Website einen Umrechnungsrechner für verschiedene Sprachen und Abrechnungsmethoden.

Zählen

Es gibt verschiedene Methoden, den Umfang einer Übersetzung zu bestimmen - das manuelle Zählen von Zeichen oder Wörtern ist sicher nicht der Weisheit letzter Schluß:

  • Nicht-Proportionalschrift (Courier) einstellen und Ränder so einstellen, daß genau 55 Zeichen in die Zeile passsen. Meist Papierverschwendung, aber für den Kunden leicht nachvollziehbar.
  • Mit Winword: Datei/Eigenschaften/Statistik – dabei wird aber nicht unbedingt alles gezählt, speziell eingebettete Objekte fallen raus. Für den Kunden leicht nachvollziehbar – zumindest wenn er die gleiche Winword-Version benutzt.
  • Es gibt auch eigenständige Zählprogramme wie: Deren Einsatz sollte man aber mit dem Kunden vorher absprechen und der Rechnung ein Protokoll beifügen.

Nebenleistungen

Oft genug ist klar, dass der Übersetzer dem Kunden bestimmte zusätzliche Leistungen mit liefert oder erlaubt. Wer z.B. eine Bedienungsanleitung übersetzen lässt, will sie in aller Regel auch veröffentlichen. Solche Rechte räumt der Übersetzer wohl in aller Regel implizit ein. Anders sieht das aber in anderen Fällen aus:

  • Wer ein Buch übersetzt, sollte dem Verlag im Vertrag nicht gleich alle anderen Verwertungsrechte abtreten – etwa das der Verfilmung.
  • Fachübersetzer arbeiten heute oft mit Computerunterstützung durch so genannte Translation-Memory-Systeme. Diese Systeme segmentieren den zu übersetzenden Text, der Übersetzer nimmt sich dann Segment für Segment vor. Bei jedem neuen Segment überprüft das System, ob das gleiche oder ein ähnliches Segment schon einmal übersetzt wurde und schlägt ggf. die frühere Übersetzung vor. So entstehen Segmentpaare, die im Translation-Memory gespeichert werden. Im Translation-Memory steckt viel Wissen des Übersetzers. Oft halten die Kunden die Übergabe des Translation-Memory für eine geschuldete Nebenleistung. Das sollte vorher geregelt werden. Und kostenlos sollte ein Übersetzer das Translation-Memory sowieso nicht aus der Hand geben. Schießlich ermöglicht er dem Kunden damit, für spätere Übersetzungen der gleichen Art einen weniger qualifizierten Übersetzer einzusetzen.
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Alexander von Obert * http://www.techwriter.de/thema/abrechne.htm
Letzte Änderung: 20.04.09 (1 neuer Link)


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