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14. Februar 2013: Strom sparen


Ein paar Grundlagen

Das Jahr hat rund 7600 Stunden. Wenn also ein Gerät rund um die Uhr läuft und eine Leistungsaufnahme von 1 Watt hat, verbraucht es im Jahr 7600 Wattstunden oder 7,6 kWh. Die kosten bei gegenwärtigen Endverbraucherpreisen rund 2 EUR.

1 Watt ist keine große Leistung. Verbraucht etwa ein Fernseher im Standby-Betrieb 1 W, dann wird man das durch Handauflegen nicht merken. Konzentriert man diese Leistung auf die Größe einer Fingerspitze, reicht das durchaus für eine Verbrennung. Wenn das externe Netzteil eines Tintenstrahldruckers handwarm wird, verbrät es für wenigstens 10 EUR im Jahr Strom.

Es hat keinen Sinn, seinen Rechner aus Umweltschutzgründen durch ein sparsameres Modell ersetzen zu wollen: Bei seinem Bau wurde mehr Energie verbraucht, als er während seines Betriebs je an Strom verbrauchen wird. Da ist es sinnvoller, mit Gebrauchtgeräten zu arbeiten - also entweder seinen alten Rechner mit einfachen Mitteln hochzurüsten oder einen Gebrauchtrechner zu kaufen. Siehe meine Tipps vom 12. Januar.

Steter Tropfen höhlt den Stein: Standby-Verbrauch

Jedes Gerät, das zum Ein- und Ausschalten nur einen Taster hat, steht ständig unter Strom. Es gibt zwar auch Taster, die mechanisch einen Stromkreis ein- und ausschalten können - die findet man z.B. in den Fußschaltern von Stehlampen. Aber die sind eher in der Minderheit und man erkennt sie am deutlichen Klicken. Was aber wie ein Klingelknopf funktioniert, kann nur Befehle an irgendwelche aktive Elektronik geben. Das gilt für Fernseher genau so wie für Computer.

Ein ähnliches Warnsignal sind externe Netzteile. Entweder sehen sie wie etwas dickere Netzstecker aus, etwa bei ein Handy-Ladegerät. Oder es sind "Backsteine", wie man sie an Druckern, LCD-Monitoren oder Laptops kennt. Für die Hersteller sind solche Netzteile ausgesprochen attraktiv: Sie können ein und dasselbe Gerät in unterschiedliche Länder mit unterschiedlichen Netzspannungen, Sicherheitsvorschrften usw. verkaufen und brauchen nur das jeweils passende Netzteil mit in den Karton zu packen. Zudem können sie das Gerät selber nach geringeren Sicherheitsstandards bauen, schließlich gibt es darin keine gefährlichen Spannungen.

Die beste Methode, solchen Standby-Stromverbrauch zu verhindern, sind Steckdosenleisten mit Schaltern. Selbst wenn man bessere Modelle für 30 EUR und mehr benutzt, können die sich innerhalb eines Jahres bezahlt machen.

...oder doch durchlaufen lassen?

Eine Sorte von Geräten sollte man nicht abschalten und lieber ein paar Euro Stromverbrauch im Jahr in Kauf nehmen: Schaltet man Tintenstrahldrucker komplett ab, bleibt auch die "Uhr" darin stehen. Beim Einschalten nimmt der Drucker dann an, dass er sehr lange still stand, und spült die Druckdüsen mit der teueren Tinte. Da ist es billiger, dem Energieversorger pro Jahr 10 EUR in den Rachen zu werfen, als im Lauf der Lebensdauer auch nur einen Satz Tintenpatronen zusätzlich zu kaufen.

Ein normales PC-Netzteil muss übrigens auch im "ausgeschalteten" Zustand bis zu 5 W Leistung an die Hauptplatine liefern können. Damit wird nicht nur die Elektronik für den Ein-Taster versorgt, sondern z.B. auch die Netzwerkkarte. So kann ich meinen Server im Keller aufwecken, indem ich ihm übers Netzwerkkabel ein ganz bestimmtes Datenpaket schicke. Diese Funktion nutzen beispielsweise Firmen, um nachts Datensicherung zu machen und Updates einzuspielen.

Wer solche Möglichkeiten nicht nutzt, sollte also zumindest Rechner und Monitor über eine Steckerleiste ein- und ausschalten. Mein ADSL-Modem lasse ich aber durchlaufen, weil es im Keller steht und ich außerdem abends gerne Internet-Radio höre. Anders kommt man in West- und Mitteleurope nicht mehr an den BBC World Service heran.

Sparsame Geräte benutzen

Eine gute Möglichkeit zum Stromsparen ist, beim Kauf auf einen geringen Verbrauch zu achten. Da sind Laptops natürlich klar im Vorteil. Vor allem aber wirkt sich die Leistungsfähigkeit der Grafikkarte auf den Stromverbrauch aus. Wer mit seinem Rechner sein Geld verdienen will, sollte also keinen "Gamer-Rechner" kaufen. Fast nichts fordert eine Grafikkarte so sehr, wie ein aktuelles Computerspiel. Der Grafikprozessor (GPU) eines Spielerechners hat ein Vielfaches der Rechenleistung des eigentlichen Prozessors (CPU) – die GPU enthält mehrere 100 reltaiv einfacher Prozessorkerne. Supercomputer, die in der Regel vor allem sehr große Mengen relativ einfacher Routinen parallel abarbeiten, enthalten heute vor allem serienmäßige GPUs und viel weniger CPUs.

Dagegen spielt die Rechenleistung eines üblichen Prozessors beim Stromverbrauch eine viel geringere Rolle: Sobald es nichts zu tun gibt, legt sich der Prozessor "schlafen": Er schaltet große Teile seiner Elektronik ab, senkt seine Taktfrequenz und seine Betriebsspannung, und unterscheidet sich dann in der Leistungsaufnahme nicht mehr groß von weniger leistungsfähigen Prozessoren. Pro Verarbeitungsschritt brauchen leistungsfähigere Prozessoren sogar meist weniger Leistung als ihre weniger leistungsfähigen Kollegen.


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Alexander von Obert * http://www.techwriter.de/beispiel/stromsparen.htm
Letzte Änderung: 13.02.13 (Erstfassung)


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