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Atomenergie 1. Behauptung


41% des Grundlaststroms in Deutschland stammt aus Kernkraftwerken. Deshalb können wir auf Atomenergie überhaupt nicht verzichten.

So argumentierte der damalige FDP-Generalsekretär Christian Lindner am 10. Mai 2011 bei Anne Will. Diese Argumentation ist etwa auf folgendem Niveau: 41% aller in Deutschland verzehrten Gummibärchen stammen von Harribo. Wenn also in Bonn die Gummibärchenfabrik abbrennt, gibt es in Deutschland nicht mehr genug Süßigkeiten.

Mal sachlich: Diese 41% sagen nichts weiter aus, als dass die Energieversorger beim besten Willen nicht mehr ihres billigsten Stroms in die Netze pressen konnten. Der Hintergrund dabei ist die Kostenstruktur eines Atomkraftwerks:

  • Der dickste Kostenblock sind die Fixkosten eines Kernkraftwerks – also Kapital, Personal, regelmäßige Wartung und Ertüchtigung. Diese Kosten fallen an, ob das AKW läuft oder nicht.
  • Der zweitgrößte Kostenblock ist der Verschleiß beim An- und Abfahren. Dabei geht es nicht darum, diverse Ventile auf- bzw. zuzufahren, sondern um die Temperaturänderungen. In den Dampfkreisläufen herrschen Temperaturen von bis zu 600°C und Drücke bis an die 200 bar. Das bekommt man nur mit dickwandigen Metallteilen in den Griff und die dehnen sich mit zunehmender Temperatur aus. Nachdem man die Temperatur nur von außen einbringen kann, gibt es bei Laständerungen innerhalb der Bauteile Temperaturdifferenzen und dadurch mechanische Spannungen. Die führen im Lauf der Zeit zu Rissen. Ein Goldschmied meinte die Tage zu mir: Wenn man ein Werkstück zu oft glüht, dann zerbröselt es irgendwann. Das ist wohl der gleiche Effekt im Kleinen. Strompreise an der EEX am 01.01.2011
  • Den geringsten Kostenfaktor macht der Brennstoff aus. Wenn man einen entsprechenden Fachmann darauf anspricht, dass auch die Uranvorräte endlich seien, zuckt der nur mit den Schultern: Um die Kosten eines Atomkraftwerks merklich zu beeinflussen, müsste sich der Preis für Yellow Cake, dem Rohstoff für die Kernbrennstäbe, erst einmal vervielfachen. Entsprechend gäbe es noch viele Vorkommen, die sich wirtschaftlich ausbeuten ließen. [Hinweis: Ich sah noch keine Rechung, wie stark die Brennelementesteuer diese Kalkulation verändert.]

Die Konsequenz: Die AKW-Betreiber lassen ihre Meiler auf Teufel komm raus durchlaufen, so lange es eben geht – selbst wenn sie mal kurzfristig jemanden dafür bezahlen müssen, damit er ihnen den Strom abnimmt. So geschah das an Neujahr 2011: Von 3 h bis 11 h boten die AKW-Betreiber an der EEX bis zu 200 EUR/MWh, wenn man ihnen ihren überflüssigen Strom abnahm – siehe Abbildung rechts. Preisfrage: Warum wurde in Deutschland nur gleich im neuen Jahr so wenig Strom verbraucht? :-) Weihnachten 2012 kam es zu einer ähnlichen Situation [29].

Noch eine Faustregel aus der Branche: Ein Kohlekraftwerk verschlingt etwa so viel Investitionskosten, wie es in fünf Jahren an Brennstoffkosten verursacht.

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Alexander von Obert * http://www.techwriter.de/beispiel/atomene7.htm
Letzte Änderung: 06.01.13 (1 neue Literaturstelle)


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