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26. Dezember 2013: Weg von XP - aber wohin?


In drei Monaten wird Microsoft Windows XP endgültig "beerdigen". Ende 2013 hatten etwa 15 % aller deutschen PC-Nutzer einen solchen "untoten Rechner" vor sich. Ein Geständnis: Diesen Text schreibe ich auch unter Windows XP. Aber außer Outlook und ein paar speziellen Anwendungen läuft mein Hauptgeschäft mittlerweile unter Linux. Meinen Weg habe ich hier schon vor einem Jahr beschrieben.

Lange Zeit habe ich XP-Rechner hochgerüstet, auf dass sie unter Windows 7 oder sogar Windows 8 liefen. Mittlerweile komme ich davon ab: Viele dieser Rechner sind mindestens 10 Jahre alt und ohne Hardware-Aufrüstung selbst unter XP kaum noch zu gebrauchen. Zudem gibt es mittlerweile recht preiswerte Alternativen.

Im gleichen Trott weiter?

Der geradlinige Weg ist natürlich ein PC mit neuerem Betriebssystem. Ab etwa 200 EUR gibt es gebrauchte Rechner mit Windows 7 oder Windows 8.1. Diese Rechner sind 3-5 Jahre alt und werden dann von spezialisierten Firmen aufgekauft und aufgearbeitet. Oft genug sind das ausgesprochen hochwertige Systeme für den Büroeinsatz, die mal mit deutlich vierstelligen Preisen in den Preislisten standen. Selbst wenn da ursprünglich mal Windows XP drauf war: Die Aufarbeitungsfirmen bekommen neuere Windows-Versionen bedeutend billiger als Otto Normalverbraucher. Eine Windows-7-Lizenz bekommt der Endkunde für knapp 100 EUR. Die neue Hardware kostet also effektiv kaum 150 EUR.

Firmen wie Pearl verscheißern ihre Kunden, indem sie die ehemaligen Listenpreise dieser Rechner nennen. Der Vergleichsmaßstab sind natürlich Rechner aus aktueller Produktion. Für 400 EUR bekommt man einen neuen Rechner mit 4 GB Arbeitsspeicher (RAM), einer 1000-GB-Festplatte und einer 3-GHz-CPU mit mindestens zwei Rechnerkernen. Auch ein gebrauchter Rechner sollte mindestens 2 GB RAM, eine 160-GB-Festplatte und eine Doppelkern-CPU haben. Für einen aufgearbeiteten Rechner 400 EUR auszugeben ist also eine durchaus grenzwertige Entscheidung, die z.B. vom Arbeitsgeräusch abhängt. Ein professioneller Bürorechner ist in aller Regel leiser als das Sonderangebot von "Ich-bin-doch-doof".

2 GB RAM sollten auf absehbare Zeit ausreichen. Die aktuellen 1000-GB-Platten sind schlicht deshalb in den Rechnern, weil das Herstellen kleinerer Festplatten kostenmäßig unsinnig ist. Mehr als 160 GB bekommt man aber wohl nur mit Videos voll. Selbst wer viel fotografiert: Übliche Knipsen liefern kaum Bilder, die größer sind als 2 MB. 2 GB reichen also für 1000 Bilder. Auf einer 1-TB-Platte kann man also 500.000 Bilder speichern. Wer eine hochwertige Spiegelreflex-Kamera hat und seine Bilder im RAW-Format speichert, wird seine Bilder auch bearbeiten wollen und braucht deshalb eine hochwertigere Computerausrüstung samt kalibrierbarem Monitor - nicht unser Thema hier.

Welches Betriebssystem?

Wer bei Windows bleiben will, steht vor der Qual der Wahl: Windows 7 oder 8.1, in der 32-bit- oder der 64-Bit-Variante. 32-Bit-Betriebssystem können maximal etwa 3 GB RAM ansprechen - da sind wir schon knapp an der Grenze. Der Umstieg auf 64 bit ermöglicht den Einsatz von aktuell 8 oder 16 GB RAM. Das braucht auf absehbare Zeit wohl kaum ein Privatanwender und auch nur eine Minderheit der professionellen Anwender. Viele alte Peripherie, z.B. Drucker oder Scanner, bekommt man bestenfalls noch mit einem 32-bit-Windows zum Laufen. Die Chancen dafür sind gut, wenn der Peripherie-Hersteller in seiner Website Treiber für Windows Vista anbietet.

Der Umstieg auf 64 bit zwingt also mit einiger Wahrscheinlichkeit zu Folgeinvestitionen. Wenn die Soundkarte nicht mehr spielt, kann man sie für 5 EUR durch einen USB-Stick ersetzen. Sein Multifunktionsgerät (Drucker/Scanner/Fax) wird man weniger gern entsorgen.

Sowohl Windows 7 als auch Windows 8.1 wird Microsoft noch diverse Jahre unterstützen. Windows 7 hat für XP-Nutzer den Vorteil, dass die Bedieneroberfläche näher am Gewohnten ist.

Die Alternative ist natürlich, auf Linux umzusteigen. Hier gibt es verschiedene, zumeist kostenlose "Distributionen". Das sind fertige Zusammenstellungen aus Betriebssystem und Anwendungsprogrammen. Wer nur die üblichen Bedürfnisse hat wie E-Mail, Surfen usw., kann sich z.B. Ubuntu herunterladen, davon eine Installations-DVD brennen und den alten Rechner "überbügeln".

Wer sowieso schon Open-Source-Programme wie Firefox, Thunderbird und Open Office benutzt, kann seine alte Arbeitsumgebung in diesen Programmen z.B. auf eine externe Festplatte sichern und unter Linux wieder einspielen. Wie das geht, verraten die Websites zu diesen Programmen. Meist genügt es, einen Unterverzeichnisbaum von "C:\Dokumente und Einstellungen\\Anwendungsdaten\" ins Linux-Home-Verzeichnis zu kopieren und passend umzubenennen. Die eigenen Dokumente muss man natürlich auch rüber kopieren.

Oder eine ganz andere Lösung?

Seit ein paar Jahren, und ganz besonders seit 2013, leidet der PC-Markt unter der Konkurrenz ganz anderer Geräteklassen: Statt sich an den PC zu setzen, nehmen viele Nutzer ein Smartphone oder einen Tablett-Rechner zur Hand. Wer neben dem Fernsehen her etwas bei Wikipedia nachsehen, im Internet ein paar Nachrichten lesen oder mal schnell was bestellen will, ist mit einem solchen Gerät durchaus gut bedient. Youtube macht mit einem schnelleren Tablett auch noch Spaß.

Das größte Problem dieser Geräte ist die nicht vorhandene Tastatur. Mal eine Adresse auf dem berührungsempfindlichen Bildschirm eingeben kriegt man mit diesen Geräten auch leicht hin. Aber für Texte wie diesen brauche ich jedenfalls ein ausgewachsenes "Hackbrett".

Manches Smartphone ist ganz schön groß - der Übergang zu den Tabletts ist fließend. Dafür kann man mit Tabletts höchstens in Reichweite eines WLAN surfen oder telefonieren - also vorzugsweise daheim. Hier muss jeder seinen optimalen Kompromiss suchen und womöglich mehrere Geräte kaufen.

Die Apple-Fraktion legt auf Design und leichte Bedienbarkeit besonderen Wert, akzeptiert dafür aber das Gebaren eines Monopolisten samt stark überhöhter Preise, ständiger Überwachung und Bevormundung. Die Alternative sind vorzugsweise Android-Geräte. Die kann man viel eher daran hindern, nach Hause zu telefonieren; sie sind auch viel offener, weil man z.B. Speicherkarten reinstecken kann.

Recht spät ist Microsoft mit Windows 8 in diesen Markt eingestiegen. Nein: PC-Programme laufen auf einem Windows-Smartphone nicht. Aber die Oberfläche ist ähnlich und der Datenaustausch ist relativ leicht möglich.

Kontrollverlust bei den eigenen Daten

Alle diese Geräte wollen den Nutzer "in die Cloud" locken. Wer beispielsweise einen iMac und ein iPhone mit dem gleichen Apple-Konto betreibt, braucht sich um den Datenabgleich nicht weiter zu kümmern. Der passiert aber nicht zwischen den beiden Geräten, sondern zwischen den Geräten und Servern des Herstellers - vorzugsweise in den USA.

Mangels lokaler Schnittstellen fallen Alternativwege bei Apple-Produkten schwer. Wer beispielsweise eine Fritz!Box betreibt, kann mit einer App von AVM Daten mit anderen Rechnern im eigenen LAN oder WLAN austauschen. Im einfachsten Fall hängt man eine externe USB-Festplatte an die Fritz!Box dran. Es gibt auch externe Festplatten mit eigener WLAN-Einrichtung, die man als Massenspeicher für Tablett oder Smartphone nutzen kann.

Mein Smartphone nutze ich entweder, um zwischendurch mal was im Internet nachzusehen, oder als Handynetz-Modem für mein Notebook ("Tethering"). Das ist mir in aller Regel lieber, als im Hotel das offene WLAN zu benutzen.

Immer mehr Firmen verbieten ihren Angestellten die private Nutzung der Firmen-IT - egal für welchen Zweck. Auch da ist ein Smartphone eine bequeme Lösung. Die Firmen verbieten die Privatnutzung übrigens häufig aus Datenschutzgründen: Nur wenn sie die Privatnutzung verbieten, dürfen sie problemlos auf alle Datenbestände zugreifen. Sonst käme es schon zu Problemen, wenn ein Angestellter plötzlich krank ist. Private Mails unterliegen dem Briefgeheimnis, deshalb dürfte kein Fremder in das Postfach hineinsehen - auch wenn da eine wichtige Kundenanfrage drin steckt.

Wenn XP unbedingt weiter "leben" muss

Wer noch mit Windows XP unterwegs ist, muss sich intensiv Gedanken über einen neuen Rechner machen. Ab April 2014 sollte man keinem XP-Rechner mehr den Zugang zum Internet erlauben. Wer auf Programme angewiesen ist, die nur unter Windows XP laufen, kann folgenden Weg wählen:

  • Für den Internet-Zugang einen neueren Rechner anschaffen.
  • Die Rechner miteinander vernetzen.
  • Dem XP-Rechner eine feste IP-Adresse zuordnen und ihm eine ungültige Gateway-Adresse eintragen.

Wie das mit der festen IP-Adresse geht, kann man leicht ergoogeln. Wichtig ist der Teil mit der Gateway-Adresse, denn darüber findet der Rechner den Internetanschluss – der muss weg. Auch "kennt" der Router den XP-Rechner so nicht mehr und schickt ihm keine Datenpakete aus dem Internet.

Wenn der XP-Rechner künftig Daten über das Internet austauschen muss, dann geht das nur noch über eine Zwischenstation auf einem aktuellen Rechner und dessen Virenscanner. So isoliert kann man XP noch länger betreiben. Demnächst werde ich auch mal beschreiben, wie man einen Rechner ohne Tastatur, Maus und Bildschrirm betreiben und von einem anderen Rechner aus bedienen kann.


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Alexander von Obert * http://www.techwriter.de/beispiel/26dezemb.htm
Letzte Änderung: 30.10.14 (Erstfassung)


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